Minne mich gewaltig – BildKörper & Religion

Altstädter Nikolaikirche Bielefeld
20.03. - 31.08.13

Kuratiert von Prof. Dr. Siegfried Zielinski, Akademie der Künste und UdK Berlin

Der neue Papst Franziskus I. hat in seiner ersten Ansprache  verkündet, ein besonderes Augenmerk auf die Ökumene zu richten, d.h. nicht nur zwischen den christlichen Kirchen, sondern auch mit dem Islam den Ausgleich zu suchen. Wir spiegeln diesen Zusammenhang mit unserer Ausstellung.

Ein Katalog zu dieser Ausstellung kann direkt bestellt werden.

 

 

Minne mich gewaltig - Video zur Ausstellung
Minne mich gewaltig - Kuratorischer Kommentar

Kuratorischer Kommentar

von Prof. Dr. Siegfried Zielinski

Die Idee zur Ausstellung

Gott hat keinen Körper. Gott ist Metaphysisch, eine Vorstellung, die Idee schlechthin, eine Projektion, ein Konzept zur Welterklärung. Je lauter die Stimmen sind, die Gott totsagen, umso anwesender scheint das Göttliche in unserem Denken und in unserem Fühlen zu sein.
Gott artikuliert sich für uns nicht durch irgendeinen x-beliebigen und schon gar nicht durch unseren eigenen Körper. Gott spricht zu uns durch den Körper des Anderen, durch den Körper dessen, der nicht mit uns identisch ist. Durch ihn lächelt uns Gott an, vorausgesetzt, wir vermögen sein Lächeln zu erkennen.

Das ist die ureigenste Welt der Kunst. Sie ist nicht dazu da, das zu erklären, was uns fremd ist, was wir nicht verstehen können, was größer ist als wir selbst. Kunst ist dazu da, uns für das Unbegreifliche, das, was auf keinen Fall mit uns identisch ist, feinfühlig zu machen. Um Kunst werden zu können, muss etwas darin enthalten sein, was das Werk für den Betrachter zum Strahlen bringt, was den spannungsreichen Dialog ermöglicht, die Versenkung, das Erschrecken, das Glück sinnlich erfahrbar macht. Es muss unsere Sensibilität in der Welt und gegenüber der Welt erhöhen.

Wie ein passionierter Forscher konzentriert sich der Sammler Lutz Teutloff seit Jahrzenten auf ein besonderes Thema: den Körper in der unendlichen und faszinierenden Mannigfaltigkeit seiner Erscheinungen und Inszenierungen in der Kunst, insbesondere der Fotografie. Viele der einzelnen BildKörper stehen in einem spannenden Verhältnis zum Sakralen, zum Heiligen, zum Religiösen. Das mag seine Ursache darin haben, dass Lutz Teutloff ein gläubiger Mensch ist, es liegt aber auch daran, dass für viele Künstler die Anwesenheit des Göttlichen in der künstlerischen Realität ihres Werkes von hoher Wichtigkeit ist.

„Minne mich gewaltig!“ Mit diesem heftigen Appell des Begehrens formulierte die Mystikerin Mechthild von Magdeburg im Spätmittelalter ihr von tiefer Leidenschaft geprägtes Verhältnis zu Gott. Die einmalige Synthese von unendlicher Gottesliebe und Erotik, die sich in den Werken der späteren hohen Kirchenfrau ausdrückt, bildet das Entré in unsere fiktive Architektur einer Ausstellung.  Gemäß der für den Schöpfungsmythos so wichtigen Zahl 7 lassen sich aus der Teutloff Collection 7 imaginäre Räume bilden, in denen sich das Spannungsverhältnis von BildKörper und Religion ausgestalten lässt:

 1.) Erhabene Körper / Körper des Heiligen
Chi Peng (China), Chester Higgins (USA), James Nachtwey (USA)

 2.) Engelskörper / Vergeistigte Körper
Volker Hildebrandt (Deutschland), Brian Finke (USA), Lynn Hershman (USA), Danica Dakic (Jugoslawien  ), Aziz + Cucher (USA), Miao Xiaochun (China), Michael Najjar (Deutschland)

3.) Würde & Tod
Dieter Appelt (Deutschland), Erwin Wurm (Österreich),  Larry Towell (USA), Dario Mitidieri (Italien), João Silva (Portugal)

4.) Kinder Gottes
Monika Czosnowska (Polen), Margie Geerlinks (Niederlande), Marie-Jo Lafontaine (Belgien), Dario Mitidieri (Italien), Abbas (Iran), Mario Cravo Neto (Brasilien), Michael Najjar (Deutschland)

 5.) Opfer (Körper)
Hilmar Pabel (Deutschland), Philip Rantzer (Israel)

6.)  Madonna 
Nan Goldin (USA), Stefan Moses (Deutschland), Richard Hamilton( USA), Lynn Hershman (USA), Larry Towell (USA)

7.) Symbole & Rituale
Elke Krystufek (Österreich), Hermann Nitsch (Österreich)

 

Die Ausstellung entstand in freundlicher Zusammenarbeit mit der StadtKirchenArbeit an der Altstädter Nikolaikirche und Pfarrer Armin Piepenbrink-Rademacher.

Mit freundlicher Unterstützung von Edelmetall Kontor