Teutloff Collection meets Sandra Vásquez de la Horra at Lempertz Cologne

Sandra Vásquez de la Horra. Aus Brusselas I, Los 20 Inconfesables.
Sandra Vásquez de la Horra
Yasumasu Morimura. Face 22, 1994.
Yasumasu Morimura
Kuratorischer Kommentar

Der Titel der Ausstellung ist Programm:

Die Teutloff Photo- und Video Collection trifft auf Zeichnungen der chilenischen Künstlerin Sandra Vásquez de la Horra, Gastgeber ist das Kunsthaus Lempertz in Köln.

Mit seiner Sammlung sucht Lutz Teutloff immer wieder den Dialog und die Verständigung zwischen den Menschen, ihrer unterschiedlichen Geisteshaltungen und politischen Gesinnung. Er nennt seine Sammlung „The Contemporary Family of Man“ und spiegelt damit die condicio humana von 1968 bis heute. Seine Ausstellungen an ungewöhnlichen Orten und mit innovativen Ideen haben weltweit Anerkennung gefunden. Parallel zu seiner Begeisterung für die Fotografie hatte er immer auch ein Auge für Neues und Parallelen in der Kunst. So gehörte er zu den ersten Sammlern von Zeichnungen der chilenischen Künstlerin Sandra Vásquez de la Horra.

Ihre südamerikanisch-indianischen Wurzeln in Konfrontation mit der europäischen zeitgenössischen Kunst, speziell in der Auseinandersetzung mit ihren Lehrern, Jannis Kounellis und Rosemarie Trockel, hat bei Sandra Vásquez de la Horra eine explosive Phantasie und enorme Produktivität freigesetzt.

All diese kulturellen wie ethnischen Einflüsse, die frühe Begegnung mit der Diktatur des Pinochet-Regimes, eigene existentielle Lebens- und Todeserfahrungen, multikulturelle Konfrontationen fließen durch sie hindurch. Sie verwebt diese auf einer Metaebene im Unterbewusstsein ihrer künstlerischen Phantasie und lässt sie ungehemmt durch ihren Körper, ihre Hand aufs Papier fließen. Die entstanden Zeichnungen badet sie im Anschluss in Wachs, um sie mit einer Art Schutzhaut zu versehen.

Als Betrachter sind wir fasziniert von diesen, mit Bleistift auf Papier gezeichneten Welten, die an den Wurzeln unserer menschlichen Existenz rühren, unsere Ängste, Träume und Phantasien ansprechen. Mit reiner Geistesarbeit lassen sich diese Werke nicht erklären, es sind körperliche Gesamtkunstwerke, die insofern sehr viel gemein haben mit dem Thema des menschlichen Körpers beim Sammler Teutloff.

So wurde eine lange gehegte Idee Wirklichkeit: die Gegenüberstellung bzw. der Dialog zwischen den Zeichnungen von Sandra Vásquez de la Horra mit Fotoarbeiten aus der Sammlung Teutloff.

Ausgangspunkt bei dieser konzeptuellen Auswahl war immer die Zeichnung. Sie gab das Thema vor, die Frage, auf die jeweils ein oder aber auch mehrere Antworten aus der Photo + Video Sammlung gegeben wurden.

Auf diese Weise sind 15 Themengruppen, wie „Herzenssache“, „Embryo“, „Kopfgeburt“ oder “Religion“ entstanden, die in ihrer Parallelität der Inhalte aber Gegenüberstellung der unterschiedlichen Techniken einen Erkenntnisprozess beim Betrachter provozieren. Das Abwägen, Gegenüberstellen, Vergleichen führt uns immer tiefer hinein in diese Welt des menschlichen Daseins, des Sinns und Unsinns, des Traums und Albtraums, des Werdens und Vergehens menschlichen Lebens.

Die Ausstellung setzt damit einen Kontrapunkt zu Einzelausstellungen der Künstlerin, wie im Bonnefanten Museum Maastricht. Sie ist u.a. vertreten in den Sammlungen des Centre Pompidou Paris, dem Kupferstichkabinett Berlin oder dem Museum of Contemporary Art Denver.

Sabine Weichel, Kuratorin

Fotos zur Ausstellung
Video zur Ausstellung

Die Zeichnungen von Sandra Vásquez de la Horra werfen Fragen auf, Fotoarbeiten aus der Sammlung Teutloff antworten. So entspinnt sich ein körperbezogener, spannungsgeladener Dialog zu allen Themen des menschlichen Seins. Das Kunsthaus Lempertz in Köln bietet das Forum, auf dem sich Künstlerin und Sammler begegnen.

„Sandra Vásquez de la Horra erlebt Welt organisch, ekstatisch, exzessiv, asketisch, introspektiv und ironisch. In ihrem denkenden Körper fokussiert sich das Drama als eine Art Menschheitsgeschichte: Liebe, Hass, Melancholie, Krieg und Tod.“

Jean-Christophe Ammann


„Früher als andere hat der Sammler Lutz Teutloff ein besonderes Gespür für künstlerische Bestrebungen entwickelt, gerade in den körperlosen Medien Fotografie, Film und Video die bedrohte Körperlichkeit zu thematisieren und die vielfältigen Herausforderungen, mit denen die Körper konfrontiert sind, gleichzeitig zu vergegenwärtigen.“
 

Klaus Honnef


Fotoarbeiten von:  Lili Almog, Dieter Appelt, Katharina Bosse, Thorsten Brinkmann, Monika Czosnowska, Aziz + Cucher, Herbert Döring-Spengler, Brian Finke, Margie Geerlinks, Claudia Hart, Lynn Hershman, Elke Krystufek, Vollrad Kutscher, Aurelia Mihai, Yasumasu Morimura,  Adam Nadel, Chi Peng, Osvaldo Salas, Gary Schneider,  Lisette Verkerk, Erwin Wurm, Holly Zausner.

Mit freundlicher Unterstützung von Kickert Breitstreckwalzen GmbH